Für Malina Lemke und Jonas Jänchen hat die BO – 105 keine Geheimnisse.
Für Malina Lemke und Jonas Jänchen hat die BO – 105 keine Geheimnisse. (Foto: Matthias Voß)

Die zivile Berufsausbildung in der Bundeswehr erfolgt mit und an neuester Technik 

Einen Beruf lernen bei der Bundeswehr, als Zivilist und ohne Verpflichtung zum Militärdienst und auf dem neuesten technischen Stand? Dass dies sehr gut möglich ist, beweist die Ausbildungswerkstatt beim Hubschraubergeschwader 64 in Schönewalde, eine von 28 Ausbildungswerkstätten der Bundeswehr in Deutschland. 

Bild 1 b
Leon Schuster ist stolz auf seinen modernen Arbeitsplatz. (Foto: Matthias Voß) 

35 Elektroniker und 50 Fluggerätmechaniker in der Ausbildung 

Gunter Rziha, der Leiter der Ausbildungswerkstatt, berichtet, dass dort am südlichen Rand des Landes Brandenburg zurzeit 35 Elektroniker für Geräte und Systeme und 50 Fluggerätmechaniker ausgebildet werden, unter ihnen neun junge Frauen. Die theoretische Ausbildung im Rahmen der dreieinhalbjährigen Lehrzeit erfolgt in den Oberstufenzentren in Schönefeld und Elsterwerda in wochenweisen Blöcken, die praktische auf dem Gelände des Fliegerhorstes Holzdorf, der gerade zum größten Luftwaffenstandort in Ostdeutschland ausgebaut wird. Wie für jeden anderen Auszubildenden in diesen Berufen werden die Prüfungen durch die Industrie- und Handelskammer (IHK) abgenommen, die Ausbildungsrahmenpläne sind für alle gleich und nicht auf Militärtechnik beschränkt. Die Vergütung erfolgt nach dem Tarifvertrag für Auszubildende im öffentlichen Dienst. 

Ausbildung beim Hubschraubergeschwader 64 in Schönewalde 

Leon Schuster hat nach der 10. Klasse mit der Ausbildung zum Elektroniker begonnen und ist jetzt im dritten Lehrjahr. Stolz präsentiert er seinen Arbeitsplatz, der mit modernster Messtechnik ausgestattet ist, und an dem vom Löten bis zum Programmieren alles möglich ist. Seine Liebe zur praktischen Arbeit hat ihn nach Schönewalde geführt. Er schätzt die konzentrierte intensive Ausbildung dort ebenso wie die Möglichkeit, unter erfahrener Anleitung eigene Ideen praktisch auszuprobieren. 

Prüfungsvorbereitung an ausgemusterten Hubschraubern, Flugzeugen und Triebwerken 

Die 19-jährige Malina Lemke und Jonas Jänchen, der erst nach dem Abitur die Lehre begann, sehen dem nahen Ende ihrer Ausbildung zum Fluggerätmechaniker gut vorbereitet entgegen. Nachdem beide im dritten Lehrjahr schon direkt in die Wartung und Instandsetzung der Mittleren Transporthubschrauber CH – 53 einbezogen waren, bereiten sie sich nun in einer Halle der Ausbildungswerkstatt auf die Prüfungen vor, in der sie an echten, wenn auch ausgemusterten Hubschraubern, Flugzeugen und Triebwerken aller Art arbeiten können. Alle Details dieser Fluggeräte von der Piper über den Hubschrauber BO-105 bis zum Starfighter sind ihnen zugänglich und vertraut. 

Bild 3
Auch ziviles Fluggerät wie die Piper lernen die Auszubildenden kennen. (Foto: Matthias Voß)

Gefragte Fachkräfte auch in der zivilen Luftfahrt 

Die zivilen Auszubildenden der Bundeswehr gehen mit viel Zuversicht in die Zukunft, denn mit ihrem Wissen sind sie gefragte Fachkräfte in der zivilen Luftfahrt und überall dort, wo Elektroniker und Mechatroniker gefragt sind. Aber ebenso können sie sich für eine zivile oder militärische Laufbahn in der Bundeswehr entscheiden, bei der die Ausbildungszeit sogar angerechnet wird. 

Kennenlern-Angebote für Berufsinteressenten 

An ihrem Standort in der Wald- und Auenlandschaft der Schwarzen Elster und der Kremitz sind die Jugendlichen nicht kaserniert untergebracht, sondern wohnen in privaten Unterkünften, WGs oder daheim. Für die theoretische Ausbildung bekommen sie Zuschüsse für Fahrten und Hotelunterkünfte, Mietbeihilfen und eine Unterstützung für die Fachliteratur. Sie können die sozialen und sportlichen Einrichtungen der Liegenschaft nutzen. Für die Fahrten auf dem weitläufigen Gelände wurde sogar ein Shuttle-Bus eingerichtet. Gunter Rziha, seine acht Ausbilder und drei Meister sorgen dafür, dass sich die Auszubildenden gefordert und zugleich wohlfühlen und bieten darüber hinaus für Berufsinteressenten neben dem jährlichen Tag der Ausbildung auch die „Girls’ and Boys’ Days“ und ein Praktikum an.  

Nähere Informationen gibt es unter www.abw-holzdorf.de oder in den Karrierezentren der Bundeswehr. 

Text: Matthias Voß