
Traditionell und modern
Der Beruf des Brunnenbauers ist attraktiv gerade für junge Leute mit ökologischem Bewusstsein
Ein Beruf, der modern ist, gebraucht wird und Zukunftschancen gerade in Brandenburg hat? „Brunnenbauer“ würde den meisten jungen Leuten kaum einfallen. Und doch ist die Ausbildung zum Brunnenbauer oder zur Brunnenbauerin einer der Jobs, die der Fachbereichsleiter Ausbildung und Berufliche Orientierung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Potsdam, Marco Lindemann, nennt, wenn man ihm dieses Profil aufzählt.
Mit Tiefenbohrung zur kostbaren Ressource Wasser
Ja, der Brunnenbau sei alt, räumt Lindemann ein. Und wenn jemand an Brunnen denke, dann vermutlich an ein kreisförmiges Mauerwerk mit einem Dach darüber. Damit habe der heutige Brunnenbau aber nur noch wenig zu tun. Derzeit sichere die anspruchsvolle Tätigkeit der Tiefenbohrung die Grundversorgung von Haushalten, Wasserzweckverbänden und Firmen mit der kostbaren Ressource Wasser. Es sei eine Arbeit, in der Technik, viele Tätigkeiten im Freien sowie der Umgang mit Menschen gleichermaßen eine Rolle spielten.

Wirtschaftliche und ökologische Ansprüche im Einklang
„Es ist ein Beruf, der eine sehr große Bedeutung hat“, sagt Lindemann. Gerade im trockenen Brandenburg werde die Ressource Grundwasser immer knapper. Hier wirtschaftliche und ökologische Ansprüche in Einklang zu bringen, gehöre zu den Aufgaben des heutigen Brunnenbaus. „Gerade junge Leute denken heute viel in Kategorien der Nachhaltigkeit“, sagt Lindemann. Wer eine sinnstiftende Arbeit ausüben wolle, deren Ergebnis offensichtlich und nützlich ist, der sei im Beruf des Brunnenbauers genau richtig.
Die Ausbildung dauert drei Jahre
Zum Lehrplan der dreijährigen Ausbildung gehört nicht nur die Erkundung einer möglichen Baustelle und die Analyse der dortigen geologischen Situation mit Planentwürfen und Vermessungen. Die Auszubildenden lernen auch zu mauern und lernen den Einsatz von Stahlbetonteilen kennen.
Das alles muss wirtschaftlichen und ökologischen Rahmenbedingungen gerecht werden. Außerdem sollen Berufskundige später auch noch zur Instandhaltung bereits bestehender Brunnen fähig sein. Der Einsatz von Computern und anderen digitalen Werkzeugen sowie modernen Baumaschinen ist hier wie überall im Baugewerbe schon selbstverständlich.
Geübt im Umgang mit komplexer Pumptechnik
„Es gehört nicht nur das Bohren in zum Teil große Tiefen, sondern auch das Lesen von Plänen und der Umgang mit komplexer Pumptechnik dazu“, erläutert Lindemann. Werde der Brunnenbauer oder die Brunnenbauerin von Privatleuten konsultiert, müsse er oder sie außerdem in der Lage sein, verständlich über die rechtlichen Rahmenbedingungen und über das technisch Mögliche aufzuklären. Damit sind in dem Beruf auch kommunikative Fähigkeiten gefragt.

Gute Zukunftschancen
Brunnenbau ist heute aber nicht nur eine Form der Wassergewinnung. Heute werden immer mehr Brunnen gebaut, um mit Geothermalquellen neue Energieressourcen zu erschließen. Das ist der Aspekt, der den aktuellen Brunnenbau so modern und attraktiv gerade für junge Leute mit ökologischem Bewusstsein mache. „Ich sehe gute Zukunfts- und Jobentwicklungschancen“, sagt Lindemann. „Entsprechende Fachkräfte sind stark gesucht.“
Spaß an Baustelleneinsätzen und der Arbeit im Freien
Derzeit existierten nur drei Firmen im Westbrandenburger Kammerbezirk der IHK Potsdam, die Brunnenbauerinnen und -bauer ausbildeten. Aktuell gebe es dort gerade einmal zwei Auszubildende. „Diese Firmen würden ihre Kenntnisse sicher gerne weitergeben“, sagt Lindemann. Tatsächlich bietet zum Beispiel die Hölscher Wasserbau GmbH in Werder (Havel) eine Ausbildung an. Beginn dort ist der 1. August.
Die Firma erwartet von Bewerbern technisches Verständnis und handwerkliches Geschick, Spaß an Baustelleneinsätzen, der Arbeit im Freien und ein ausgeprägtes Sicherheitsbewusstsein. Mit einem Hauptschulabschluss könne sich jeder bewerben.
von Rüdiger Braun