Yannik Hirtzel aus Marienthal absolviert bei Fritz Müller Massivholztreppen in Altlüdersdorf ein Duales Studium – Im Erfolgsfall wird er Tischler und hat einen Bachelor in der Tasche 

IMG 8824
Yannik Hirtzel absolviert ein Duales Studium (Foto: Stefan Blumberg) 

Sein Chef Fritz Müller hat ihn ermuntert, es zu tun, aber auch gewarnt: „Es wäre schön, wenn du es machst. Aber du lädst dir einen riesigen Aufwand auf die Schultern.“ Yannik Hirtzel schreckte das nicht ab, die Herausforderung Duales Studium anzugehen. Seit dem 1. September 2025 absolviert er seine Ausbildung zum Tischler und studiert an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) parallel Holzingenieurwesen.  

Zweijährige Ausbildung zum Tischler  

Das läuft so: Der Marienthaler wird bei Fritz Müller Massivholztreppen GmbH & Co. KG eine zweijährige Ausbildung zum Tischler absolvieren, in die bereits „ingenieursähnliche Tätigkeiten“ einfließen sollen. Weil er ein Abitur in der Tasche hat und nebenbei studiert, durfte er das erste Lehrjahr überspringen. „Im Selbststudium muss ich den theoretischen Stoff aus dem ersten Jahr nachholen, um zu den anderen in der Berufsschule Neuruppin aufzuschließen“, sagt der 22-Jährige. Mathe, Deutsch oder Englisch seien kein Problem, aufwändiger hingegen das Fachwissen. Eine Woche im Monat besucht er die Schule in der Fontanestadt. 

Zweimal pro Woche Vorlesungen  

Zur Ausbildung gehören auch noch Lehrgänge im Bildungs- und Innovationscampus Handwerk in Götz (Potsdam-Mittelmark), bei denen er insbesondere im Umgang mit Maschinen geschult wird. Sein Ausbildungsbetrieb schaut zusätzlich, ob Bildungsangebote der Handwerkskammer passen. Und im Schnitt zweimal in der Woche nimmt er an Vorlesungen der HNEE teil. „Das passiert nach Feierabend online. Ich bekomme das bis jetzt alles ganz gut hin, habe auch Unterstützung von der Familie und Freunden.“ 

Erst das Gesellenstück – dann intensiveres Studium 

Nach den zwei Jahren legt er wie alle anderen seine Prüfungen ab und muss ein Gesellenstück anfertigen. Wenn das geschafft ist, geht es mit dem Studium intensiver weiter als in den ersten beiden Jahren – inklusive Präsenzvorlesungen in Eberswalde. „Als mir Fritz Müller den Vorschlag mit dem Dualen Studium machte, überlegte ich ein Wochenende lang und sagte zu“, so Yannik Hirtzel. Seit einem halben Jahr geht er nun diesen Weg. Im Studium dreht sich alles um Fertigungs- und Verfahrenstechnik der Holzbe- und -verarbeitung sowie der konstruktiven und nachhaltigen Nutzung von Holz. Grundlagen in der Betriebswirtschaftslehre und Unternehmensführung eröffnen ihm in der holzverarbeitenden Branche alle Möglichkeiten. 

Das Unternehmen Fritz Müller Massivholztreppen hat zwei Auszubildende 

Das mittelständische Unternehmen aus Altlüdersdorf mit seinen 23 Angestellten und zwei Azubis setzte schon immer auf die Ausbildung. „Seit 1985 hatten wir im Schnitt pro Jahr einen Lehrling. Wir machen das nicht, um billige Arbeitskräfte zu bekommen, sondern um sie als qualifizierte Fachkräfte im Betrieb zu halten. Oft hat das geklappt, oft aber auch nicht“, sagt Geschäftsführer Fritz Müller ohne Groll. Im Laufe der Jahre habe sich gezeigt, dass sich die Chancen auf eine Bindung an die Firma erhöhen, wenn die jungen Menschen aus der Region kommen. Wer im Altkreis Gransee lebt und sich bewirbt, ist im Rennen um einen Ausbildungsplatz im Vorteil. 

Ein Praktikum gehört einfach dazu 

So war es auch bei Yannik Hirtzel. „Ich landete gleich einen Volltreffer, es war meine erste Bewerbung.“ Um den Platz zu bekommen, ist es bei den Müllers – Tochter Inga und Sohn Marcus sollen das Unternehmen in Zukunft übernehmen – längst Usus, dass Bewerber ein Praktikum absolvieren müssen. Und ein Test (von der Handwerkskammer entworfen) gehört auch dazu. Neben Yannik meisterte ein weiterer junger Mann die Kriterien. Beide begannen zeitgleich ihre Ausbildung bei der Altlüdersdorfer Firma, die mit dem großen Partner „Treppenmeister“ kooperiert.   

Holz – ein faszinierender Werkstoff  

Mit der Variante des Dualen Studiums betritt der Familienbetrieb Neuland, aus gutem Grund. „Yannik soll nach erfolgreichem Abschluss in der Führungsetage als Ingenieur eingesetzt werden“, so Fritz Müller. Eine attraktive Aussicht für den Marienthaler, der aber erst einmal die Ausbildung absolvieren will, um die Grundlagen des Berufs zu beherrschen und zu verstehen. Wenn es später darum geht, Projekte – in Altlüdersdorf vor allem Treppen und Möbel – zu planen und umzusetzen, möchte er wissen, was er da tut. Der Werkstoff Holz kommt ihm sehr entgegen. „Die Nachhaltigkeit macht die Arbeit mit Holz für mich faszinierend. Auch die Verbindung mit anderen Baustoffen wie Stahl, Kunststoff oder Glas finde ich spannend.“  

Nach vier Jahren Berufsabschluss und Bachelor  

Yannik Hirtzel, der nach seinem Abitur zunächst drei Jahre bei der Bundeswehr (Berlin, Köln, Hamburg, Bremen) beschäftigt war, ist einer von fünf Studenten an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde, die sich für das Duale Studium Holzingenieurwesen entschieden haben. Der 22-Jährige weiß um einen großen Vorteil, wenn er die vier Jahre erfolgreich abgeschlossen hat: „Dann habe ich einen Berufsabschluss und den Bachelor in der Tasche.“   

Text: Stefan Blumberg 

Passende Stellen zum Artikel