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19 Bauberufe werden grundsätzlich modernisiert   

Mehr Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Digitalisierung – darauf kannst Du dich künftig bei der Ausbildung in Bauwirtschaftsberufen einstellen. Die Sparte mit insgesamt 19 unterschiedlichen Qualifikationen, die sowohl in den Zuständigkeiten der Industrie- und Handelskammer als auch der Handwerkskammer liegen, ist in einem umfassenden Neuordnungsverfahren grundsätzlich modernisiert und neu strukturiert worden. Es tritt im kommenden Sommer in Kraft. 

Virtueller Austausch zwischen Kammern und Betrieben

Zuvor haben Unternehmen und überbetriebliche Ausbildungsstätten der Bereiche Ausbau, Hochbau und Tiefbau noch Gelegenheit, sich mit den neuen Ausbildungsinhalten und Prüfungsregelungen vertraut zu machen, um so eine qualitativ hochwertige Ausbildung für Dich planen und konzipieren zu können. „Neben einer Vielzahl von Informationsmöglichkeiten zu den neuen Ausbildungsberufen wird es im November dieses Jahres auch noch einen virtuellen Austausch zwischen den Kammern und den ausbildenden Betrieben geben“, sagt Marco Lindemann, Fachbereichsleiter Ausbildung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Potsdam. Allein im Zuständigkeitsbereich der IHK Potsdam, der die westliche Hälfte Brandenburgs umfasst, würden pro Saison rund 150 Auszubildende mit der Qualifizierung im Baubereich beginnen.  

Bauen im Bestand als neuer Ausbildungsinhalt

Bei der inhaltlichen Neugestaltung der Bauberufe im Rahmen der Modernisierung seien besonders dem Nachhaltigkeitsaspekt und dem Klimaschutz ein großer Stellenwert beigemessen worden, so Marco Lindemann. So ist demnach das Bauen im Bestand als neuer Ausbildungsinhalt über die komplette Qualifizierungsdauer aufgenommen worden. Mehr als 85 Prozent der heutigen Gebäude werden in 30 Jahren noch stehen. Das bedeutet, dass Bestandsgebäude energetisch modernisiert, an veränderte Klimabedingungen angepasst und dabei langfristig wirtschaftlich attraktiv saniert werden müssen.  

Nachhaltigkeit in allen Ausbildungsbereichen verankert

Aber auch in berufsfeldübergreifenden Ausbildungsinhalten seien Nachhaltigkeits- und Klimaschutzaspekte an vielen Stellen berücksichtigt worden, erläutert Marco Lindemann. Das gelte etwa für die Planung der eigenen Tätigkeiten, bei der Einrichtung und Unterhaltung von Baustellen, der Wahl genutzter Maschinen und Anlagen, hinsichtlich von Baustoffen oder bei qualitätssichernden Maßnahmen im Rahmen der Kontrolle eigener Arbeiten.  

Building Information Modeling (BIM) im Fokus

Ein weiterer maßgeblicher Schwerpunkt der inhaltlichen Neugestaltung ist die Digitalisierung. Dabei spielten besonders zwei Aspekte eine entscheidende Rolle, schildert Marco Lindemann. Neben dem gegenseitigen Verstehen verschiedener Abteilungen sei dies vor allem das sogenannte Building Information Modeling. Dabei geht es darum, geplante Bauwerke mit ihren Daten und Bezügen in ein digitales Modell zu verwandeln, das sowohl in der Planung als auch der Ausführung, der Wartung und dem Rückbau von Bauwerken zur Verfügung steht und so wichtige Beiträge im Erstellungsprozess und Unterhalt von Gebäuden leisten kann.  

„Weckrufe“ als Leistungsstand-Kontrolle

Die Struktur der Ausbildung in den 19 Bauberufen erfährt ebenfalls entscheidende Neuerungen. Dabei geht es etwa um „Weckrufe“, wie Lindemann es formuliert. Gemeint sind damit Prüfungen während der Ausbildung, die zeigen, an welchen Stellen Auszubildende noch zulegen müssen, um den Abschluss zu schaffen. Für die 16 dreijährigen Qualifizierungen wurde statt der Zwischenprüfung eine sogenannte gestreckte Gesellen- und Abschlussprüfung eingeführt. Das bedeutet, dass die Abschlussprüfung in zwei Teilen erfolgt. Der erste Teil nach zwei Jahren, in dem Teile der beruflichen Handlungskompetenz abgefragt werden, fließt bereits zu 40 Prozent in die spätere Endnote ein. Die erbrachte Leistung in der gestreckten Abschlussprüfung Teil 1 hat damit maßgeblichen Einfluss auf das spätere Gesamtergebnis.  

Direkter Einstieg ins dritte Ausbildungsjahr möglich

Eine weitere Neuerung: Für die drei zweijährigen Ausbildungsberufe (Ausbaufacharbeiter/-in, Hochbaufacharbeiter/-in und Tiefbaufacharbeiter/-in) gilt künftig das sogenannte Anrechnungsmodell. Danach können erfolgreiche Absolventen der Abschlussprüfung bei Interesse direkt ins dritte Ausbildungsjahr der dreijährigen Berufe einsteigen.    

Überblick der modernisierten Bauberufe

Ausbauberufe:
Zimmerer/Zimmerin
Stuckateur/-in
Fliesen-, Platten- und Mosaikleger/-in
Estrichleger/-in / Ausbaufacharbeiter/-in Schwerpunkt Estricharbeiten
Wärme-, Kälte- und Schallschutzisolierer/-in
Trockenbaumonteur/-in
Ausbaufacharbeiter/-in (zweijähriger Beruf)

Hochbauberufe:
Maurer/-in
Beton- und Stahlbetonbauer/-in
Feuerungs- und Schornsteinbauer/-in
Bauwerksmechaniker/-in für Abbruch und Betontrenntechnik
Hochbaufacharbeiter/-in (zweijähriger Beruf)

Tiefbauberufe:
Straßenbauer/-in
Kanalbauer/-in für Infrastrukturtechnik
Leitungsbauer/-in für Infrastrukturtechnik
Brunnenbauer/-in
Spezialtiefbauer/-in
Gleisbauer/-in
Tiefbaufacharbeiter/-in (zweijähriger Beruf)

Text: Gerald Dietz