Bootsbauer
Simon Feindt (l.) und Noah Tüngerthal kennen sich auch mit Bootsdieselmotoren aus.  (Foto: Stefan Walter )

Junge Bootsbauer in Teltow lieben die Vielseitigkeit ihres Berufes

Noah Tüngerthal (25) aus Potsdam war nach dem Abitur 2019 auf der Suche nach einem praktischen Beruf. Er wollte nicht den ganzen Tag am Computer sitzen, sondern etwas machen, was er anfassen kann, was man auch wieder verändern kann, immer wieder neu, mit unterschiedlichsten Materialien, Werkzeugen und Techniken.  Nach einem zweiwöchigen Praktikum fand er bei dem Betrieb Norman Bootsbau seinen Ausbildungsplatz. Inzwischen ist er Geselle dort am Teltower Stadthafen.  
Für Simon Feindt (22) aus Oberhavel war ein Leben ohne Wassersport nicht denkbar. Schon als Kind surfte er viel und begann dann seine Lehre in Greifswald bei HanseYachts, einem großen Industriebetrieb, und wechselte später nach Teltow. Anfang 2026 wird er seine Lehre dort abschließen.  

Besonderheiten der Ausbildung im Bootsbau

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Der Bootsanstrich erfordert Sorgfalt und Geduld. (Foto: Stefan Walter)  

Die Berufsausbildung für diesen traditionellen Handwerksberuf dauert dreieinhalb Jahre, ihr Ablauf ist etwas außergewöhnlich, denn die theoretischen Unterrichtseinheiten werden in mehreren Blöcken von jeweils vier Wochen zusammengefasst und finden in Travemünde an der Ostsee statt. Das führt dazu, dass die Auszubildenden bereits von Anfang an Kontakte zu Berufskollegen aus ganz Deutschland knüpfen können.   

Arbeiten mit allen Materialien – vom Holz bis zur Elektrik

In dem Meisterbetrieb von Julien Norman Melke sind die Aufgaben sehr vielseitig. Hier werden nicht Schiffe in Serie aufgelegt, sondern die Arbeit dreht sich um alle Facetten des klassischen Bootsbaus wie Instandsetzung, Modernisierung, Generalüberholung und auch kleine Reparaturen. „Manchmal ist es so, dass der Kunde herkommt, weil oben auf dem Deck eine kleine Stelle ist, und wenn man dann genauer hinschaut, wird daraus ein Riesenprojekt“, erzählt Noah Tüngerthal. Die beiden jungen Männer schätzen die Vielfalt: „Beim Tischler sind es oft nur Leim und Holz, beim Glaser ist es hauptsächlich Glas, und beim Metallbauer Metall. In unserer Werft hast Du alles, von Kunststoff, Metall, Holz, bis zum Schaltkreis aus der Bootselektrik, dem Bootsservice und auch Antriebstechnik.“ Die Bootsbauer haben Kunden über Deutschlands Grenzen hinaus, Arbeit ist genug da und Ausbildung wird in dem kleinen Betrieb mit 15 Mitarbeitern großgeschrieben.  

Frauen im Bootsbau: Anteil steigt kontinuierlich

Übrigens ist der Anteil der jungen Frauen in der Berufsausbildung relativ hoch und im Herbst dieses Jahres wird auch eine junge Frau bei Norman Bootsbau ihre Ausbildung beginnen.   
Welche Voraussetzungen sind für den Beruf erforderlich? Eine gute mittlere Reife ist völlig ausreichend, denn alle wichtigen Kenntnisse werden in der Lehre von Grund auf vermittelt. Neben dem Interesse am Lernen braucht es Durchhaltevermögen, ergänzt Simon Feindt: „Ein großes Boot kann durchaus auch mal eintönige Arbeit mit sich bringen, denn bei einem 14-Meter-Boot bist du nicht an einem Tag fertig mit dem Schleifen, das kann dann schon auch mal eine ganze Woche dauern.“  

Bootsführerschein als Teil der Ausbildung

Zu den Aufgaben der Bootsbauer gehört es mitunter, Schiffe zu überführen und Testfahrten zu machen, wenn die Arbeit getan ist. Deshalb gehört zur Ausbildung auch der Bootsführerschein, der während der schulischen Ausbildung in Travemünde kostengünstig erworben werden kann.   
Die Herausforderungen in der Werft in Teltow sind sehr vielfältig. Ob nun Segler, Ruder- oder Motorboot, sie alle habe ihre Geschichte, Besonderheiten und Anforderungen. Die Boote sind hier bis zu 14 Metern lang und haben ein Gewicht von bis zu 25 Tonnen. Handarbeit und sehr viel Genauigkeit sind gefragt.   

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Am Teltower Hafen (Foto: Matthias Voß)

Erfahrungen sammeln – auch im Ausland

Wie wird es für die jungen Bootsbauer weitergehen? Beide fühlen sich wohl in der Werft, unter ihren Kollegen, die sie von Anfang an in die Arbeit einbezogen haben und forderten.  Simon Feindt könnte sich zum Beispiel vorstellen, nach Abschluss der Lehre im Rahmen eines Austausch-Programmes einige Zeit auch mal im Ausland zu arbeiten, um dort noch zusätzliche Erfahrungen zu sammeln.  
Die Welt steht den beiden jungen Bootsbauern offen. Wer sich für ein Praktikum bei Norman Bootsbau in Teltow interessiert, um das Berufsbild näher kennenzulernen, wird unter www.normanbootsbau.de fündig.  

Text: Matthias Voß