Berufskraftfahrer/-in

Interview II

Demnächst auf dem Bock 

Josephine Gurgel macht bei Schwanteland Transport und Logistik eine Ausbildung zur Berufskraftfahrerin 

Die Vorfreude, auf dem Bock sitzen zu dürfen, ist bei Josephine Gurgel ausgeprägt. Noch darf die 20-Jährige aber nicht die großen Lkw fahren. Sie befindet sich mitten in der Ausbildung zur Berufskraftfahrerin. Den Führerschein für den Pkw hat sie schon, jetzt macht sie gerade den für den Lkw. „Das kann sich noch ein bisschen ziehen, aber es wird. Ich möchte die Prüfung so schnell wie möglich bestehen“, sagt die Hennigsdorferin, die bei der SL Schwanteland GmbH ihre Ausbildung absolviert. Mit dem Auto auf den Straßen unterwegs zu sein – darin ist sie geübt. „Ich liebe das Autofahren. Und ich finde den Spruch ‚Frauen können das auch‘ toll. Ich finde, der passt ganz gut.“

Es ist einer der Gründe, weshalb sie die für Frauen nicht ganz gewöhnliche Berufsrichtung einschlug. Beeinflusst hat sie aber auch ihr Papa, der Kfz-Mechatroniker ist. Die Hälfte der dreijährigen Ausbildung (sie kann auch verkürzt werden) liegt hinter ihr. „Es lief bislang alles so, wie ich es erwartet hatte. Aber ich muss auch sagen, die schulischen Anforderungen sind nicht ohne. Dass wir so viel über den Motoraufbau und seine Funktionsweise lernen, überraschte mich schon.“ Auch das Thema Sicherung der Ladung spiele eine sehr große Rolle; verkehrsspezifische Vorschriften, Abfahrtkontrolle oder Fahrzeugkostenrechnung auch. Die Berufsschule absolviert sie am Oberstufenzentrum in Hennigsdorf, die Fahrschule in Oranienburg (Nickel), Teile der praktischen Ausbildung beim Autodienst Stange Truck und Carservice im Gewerbegebiet „Autohof Oberkrämer“ und den Hauptteil bei Schwanteland – also alles in der Nähe. 

Die Unternehmensgruppe aus Oberkrämer (Vehlefanz), deren historische Wurzeln im Gartenbau und in der Landwirtschaft liegen, besteht aus drei Gesellschaften. Bei der SL Schwanteland GmbH bilden die Bereiche Transporte und Logistik die Schwerpunkte. Die SL Gartenbau GmbH ist spezialisiert auf den Anbau von Chicorée und Erdbeeren sowie die Direktvermarktung von Obst und Gemüse. Schwanteland Jungpflanzen GmbH produziert Gemüsejungpflanzen für den Erwerbsgartenbau. Die Mitarbeiterzahl liegt bei mehr als 200. 

Alle drei Unternehmen arbeiten Hand in Hand. Die Berufskraftfahrer sorgen dafür, dass die Produkte pünktlich und unbeschadet an den Bestimmungsort kommen. „Deshalb ist die Routenplanung sehr wichtig“, hat Josephine Gurgel längst mitbekommen. Abfahrtszeit, Fahrtdauer, Pausen, Lade- und Entladezeit, möglicher Stau – alles müsse bedacht werden. Sie selbst kann da mitreden, hat bereits mit den kleineren Transportern Touren übernommen und brachte zum Beispiel Trockeneis bis nach Rostock. Der Schwerpunkt im Unternehmen liegt überwiegend im Transport und Umgang mit Gefahrgut. Das ist auch der Schwerpunkt der praktischen Ausbildung von Josephine. 

Ursprünglich hatte die Hennigsdorferin eine andere Laufbahn eingeschlagen, sie wollte Erzieherin werden. Aber sie brach die Ausbildung zur Sozialassistentin ab und entschied sich für die Berufskraftfahrerin. Schwanteland ist seit Jahren Ausbildungsbetrieb und ständig auf der Suche nach Berufskraftfahrern – Frauen und Männern. Von Vehlefanz rollen Transporte im Nah- und Fernverkehr über die Straßen Deutschlands und in die Nachbarländer Polen und Dänemark. Und Schwerlasttransporte gehören zum Portfolio des Unternehmens. „Die finde ich sehr reizvoll. Respekt habe ich davor, möchte das aber auch auf jeden Fall selbst versuchen. Wie soll man es sonst lernen?“, so Josephine Gurgel, die ihren Azubi-Nachfolgerinnen und -Nachfolgern nur empfehlen kann, „es auszuprobieren, wenn sie Lust darauf haben“. Cool seien aus ihrer Sicht Transporte von Windradflügeln. 

Wenn sie die Prüfungen im Sommer 2023 bestanden hat, soll es unbedingt ein „Brummi“ sein, den sie fahren möchte. „Ich freue mich schon darauf. Ich bin gern allein. Und auf dem Bock ist das möglich.“ Sie hat berechtigte Chancen, in ihrem Betrieb – er bildet jährlich bis zu drei Berufskraftfahrer oder -fahrerinnen aus – zu bleiben. Er bietet bei guten Leistungen ein unbefristetes Arbeitsverhältnis in Vollzeit an. Sie nehmen Güter an oder versenden sie, kontrollieren genau, ob Art und Menge den Angaben in den Papieren entsprechen. Sie dokumentieren den Warenfluss, haben eine Übersicht über das Lager und verstauen die Güter dort an den vorher geplanten Plätzen. Die Aufgaben der Fachkräfte für Lagerlogistik sind vielfältig. „Das ist ein interessanter und abwechslungsreicher Beruf“, sagt Manuel Beck, der bei Ingram Micro in Großbeeren (Teltow-Fläming) sein zweites Lehrjahr absolviert. Wer sich für die Logistik interessiert, sollte lernbereit und aufgeschlossen sein, sagt der 23-Jährige, der in Mahlow (Teltow-Fläming) lebt. Mathematik ist gefragt, denn um Zahlen geht es für die Fachkräfte in der Logistik immer. Aber auch gute Englischkenntnisse sind nützlich, schon allein, weil das die Verständigung mit den Lagermitarbeitern erleichtert, die bei Ingram Micro aus über 50 Nationen stammen. „Man sollte auch kulturell aufgeschlossen sein gegenüber den Kollegen nichtdeutscher Herkunft“, sagt Manuel Beck. Außerdem ist ein Interesse für Geografie nützlich. Zu den Aufgaben einer Fachkraft für Lagerlogistik gehört es schließlich unter anderem, die Routen für die Lkw zu planen. Das geht besser und schneller, wenn man die Deutschlandkarte schon im Kopf hat. 

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