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Die IHK kümmert sich vielfältig um die Besetzung der angebotenen Lehrstellen

Die Industrie- und Handelskammern werben auf allen Seiten für Ausbildung. Während die IHK-Mitgliedsbetriebe kontinuierlich pro Jahr etwa 6000 neue Lehrstellen in Brandenburg anbieten, bleiben aber inzwischen zahlreiche davon unbesetzt. Trotzdem meldete die Arbeitsagentur kurz vor Ausbildungsbeginn am 1. August noch fast ein Drittel unversorgte Bewerber. Zwar stiegen einige junge Leute noch später ein, aber aktuell können Interessenten weiterhin auf gut 280 freie Angebote im IHK-Ausbildungsatlas für Brandenburg zugreifen, zahlreiche davon bereits für 2024.

Der IHK-Ausbildungsverantwortliche Marco Lindemann will Jugendlichen Orientierung bei der Berufswahl geben. FOTO: MATTHIAS BUSSE

Das Portal auf www.mach-es-in-brandenburg.de zeigt seit zwei Jahren Interessierten in einem selbst definierten Umkreis, wo sie bei welchem Unternehmen mit welcher Tätigkeit durchstarten können. Wer überhaupt noch keine Idee für seine Zukunft hat, kann sich von den Branchen, über Unternehmensbereiche bis hin zu konkreten Berufsbildern durchklicken. Welche Spezialisierungen gibt es für Mediengestalter und was unterscheidet diese vom Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste oder gar vom Medientechnologen? Warum gibt es so viele unterschiedliche Kaufleute für Tourismus, Veranstaltung, Hotelmanagement, Industrie, Banken, Einzelhandel sowie Sport und Fitness? Wo sind handwerkliche Fähigkeiten gefragt oder wo lassen sich Kenntnisse aus dem Lieblingsschulfach praktisch weiterentwickeln?

 

Aus 324 Ausbildungsberufen können Bewerber deutschlandweit auswählen. Dazu gibt es noch eine Vielzahl von Studienmöglichkeiten. Auch die Hochschulen und Universitäten präsentieren sich im Internet. Hinzukommen als Vorbilder jenseits klassischer Laufbahnen die zahlreichen Influencer aus Internet-Videos. Diese Menge an Online-Offerten erschwere die Orientierung, meint Marco Lindemann, Fachbereichsleiter Ausbildung im IHK-Kammerbezirk Potsdam: „Durch die Digitalisierung, die zunehmende Schnelllebigkeit und die gewachsenen Bildungsangebote wägen einige Jugendliche ab, was sie während einer Ausbildung oder einem Studiengang verpassen könnten.“ Für ihn könne jedoch keine Alternative sein, letztlich im Nichtstun zu verharren, anstatt eine Entscheidung für die Zukunft zu treffen.

Die IHK steuert dagegen, indem sie ab Klasse 8 Schüler über ihre Ausbildungsberufe informiert, welche Kennenlernpraktika es dazu gibt und welche duale Ausbildung bei welchem Unternehmen und welchem Oberstufenzentren konkret in der Region möglich ist. Das geht bis zum praktischen Bewerbungstraining und der individuellen Beratung. Um das Interesse wachzuhalten, versorgte inzwischen die IHK Potsdam viele weiterführende Schulen Westbrandenburgs mit Bildschirmen im Eingangsbereich, auf denen teils schulische Belange angezeigt werden, aber auch regional zugeschnittene Ausbildungsplätze. Innerhalb von IHK-Schulpartnerschaften stellen etwa speziell von der Kammer geschulte Auszubildende ihre Tätigkeiten vor, erzählen über ihre Lehre und die Berufsschule. „Unsere Ausbildungsbotschafter sind wirklich eine Erfolgsgeschichte“, freut sich Lindemann. Denn Jugendliche aus dem „wahren Leben“ würden einen guten Draht zu den Schülern haben.

 

Zudem will die IHK frühzeitig der Fokussierung von Gymnasiasten auf ein Studium entgegenwirken. Denn für angehende Bankkaufleute oder manche Softwareentwickler ist Abitur-Wissen durchaus gefragt. Wichtige Säule der Berufsorientierung sind die Schülerpraktika, bei denen der erste Kontakt zu späteren Lehrbetrieben hergestellt werden kann. Daher rät Lindemann: „Ich empfehle, sich für das Praktikum einen Betrieb zu suchen, der ausbildet.“ Da könnte einerseits die Ausbildungsatmosphäre erlebt und andererseits bereits ein Kontakt für später geknüpft werden, sagt der IHK-Ausbildungsverantwortliche und betont: „Ausbildung ist für die Unternehmen ein Baustein, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.“

Matthias Busse