Anton Steffan ©Hans Otto Theater
Anton Steffan macht eine Ausbildung zum Veranstaltungstechniker (Fotocredits: Hans Otto Theater)

Beinahe ein Abenteuer 

Anton Steffan mag das Rampenlicht – und steht hinter Bühne. Der 22-Jährige macht eine Ausbildung zum Veranstaltungstechniker im Hans-Otto-Theater in Potsdam und erlebt täglich etwas Neues 

Nach dem Abi war für Anton Steffan klar: Ein Bürojob wird es eher nicht. Stattdessen zog es ihn dorthin, wo Technik, Kreativität und Teamwork zusammenkommen: zur Bühne, genauer gesagt, dahinter. Der 22-Jährige macht am Hans-Otto-Theater in Potsdam eine Ausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik und ist im dritten Lehrjahr. „Ich wollte etwas Praktisches, Abwechslungsreiches – und hier passiert wirklich jeden Tag etwas anderes. Manchmal fühlt es sich gar nicht wie Arbeit an, sondern mehr wie ein Abenteuer“, erzählt Anton. Der Funke sprang auf Festivals über. Nach der Schule jobbte der Potsdamer als Aushilfe auf großen Musikfestivals wie dem Deichbrand oder dem Hurricane. „Eigentlich wollte ich nur ein bisschen Geld verdienen – aber dann habe ich gemerkt, wie viel Spaß es macht, mit Technik zu arbeiten und Shows zu ermöglichen.“  

Was macht eine Fachkraft für Veranstaltungstechnik? 

Ohne Veranstaltungstechniker und -technikerinnen läuft keine Show – egal ob Konzert, Theater, Messe oder Festival. Die Fachkräfte sorgen dafür, dass Licht, Ton, Bühne und Video perfekt zusammenspielen. Die Ausbildung dauert drei Jahre und ist dual aufgebaut: Die Praxis findet im Betrieb statt, dazu kommt Blockunterricht an der Berufsschule. Bei Anton ist es das Oberstufenzentrum Technik des Landkreises Potsdam-Mittelmark in Teltow.  

Während der Ausbildung durchläuft Anton alle wichtigen Bereiche: Dazu gehört zum Beispiel die Bühnentechnik. Kulissen müssen auf- und abgebaut, Drehbühnen gesteuert werden. Auch der Bereich Lichttechnik ist spannend: Anton kümmert sich um Spots, Scheinwerfer, Effekte und lernt, wie man Räume in Szene setzt. In der Tontechnik geht es um Mikrofone, Lautsprecher, Mischpulte – Stimmen und Musik werden zum Publikum gebracht. Auch Videotechnik gehört dazu: Die Fachkräfte binden Projektionen und Kamerabilder in die Shows ein und arbeiten multimedial. Sicherheit und gute Planung spielen im Berufsalltag eine wichtige Rolle: Fluchtwege müssen eingerichtet und Lasten korrekt berechnet werden. Nach der Ausbildung kann Anton in Theatern, Opernhäusern, Eventhallen oder bei Festivals arbeiten – oder mit Bands auf Tour gehen, auch weltweit. „Einen typischen Arbeitstag gibt es so gar nicht“, sagt Anton. Im Theater rotiert er während seiner Ausbildung durch die Gewerke. „Das mag ich an der Ausbildung sehr. Man arbeitet mit vielen verschiedenen, meist offenen Leuten zusammen.“ 

Grosses Haus ©Hans Otto Theater
Das Große Haus ist das Flaggschiff des Hans Otto Theaters in Potsdam (Fotocredits: Hans Otto Theater)

THEEEEATER, Theater… 

Ein Theater ist ein eigener Kosmos: Werkstätten, Probebühnen, Technikräume und die große Bühne – die Geschehnisse greifen ineinander wie Zahnräder. Jede Produktion entsteht über Wochen, von den ersten Proben bis zur Premiere. „Das Hans-Otto-Theater hat ein starkes Gemeinschaftsgefühl. Man erlebt hautnah, wie aus vielen Einzelteilen ein komplettes Bühnenkunstwerk entsteht.“ Veranstaltungstechnik ist spannend, manchmal aber auch knifflig. „Der Job funktioniert gefühlt so: Zu 50 Prozent richten wir Technik ein und zu 50 Prozent finden wir heraus, warum sie nicht funktioniert“, sagt Anton lachend. „Damit eine Lampe über das Lichtpult angesteuert werden kann, braucht es Strom, Kabel, richtige Einstellungen – viele kleine Schritte. Manchmal ist es wie Rätselraten. Aber wenn am Ende das Licht angeht, ist das ein geniales Gefühl.“  

Schon im zweiten Lehrjahr durfte Anton größere Verantwortung tragen. Besonders stolz ist er auf eine Produktion der Bürgerbühne: „Ein Azubi aus dem ersten Lehrjahr und ich haben dabei den kompletten Ton und das Video übernommen. Das war eine Herausforderung, aber wir haben extrem viel gelernt und das Feedback war schlussendlich super.“ 

Berufsschule in Blöcken – und ein Nebenjob  

Anton hat sich neben der Ausbildung ein kleines Nebengewerbe aufgebaut. So kann er auch außerhalb des Theaters bei Veranstaltungen arbeiten. Als Azubi arbeitet er 40 Stunden pro Woche, oft abends oder am Wochenende. „Man muss das mögen, gewöhnt sich aber rasch an die Arbeitszeiten. Längere Dienste werden mit Ausgleichstagen abgefangen.“ Etwa einmal im Monat geht es für eine Woche an die Berufsschule in Teltow. „Ich war nie so der Schulmensch, aber nach stressigen Wochen ist es auch mal schön, eine Woche Unterricht zu haben.“ 

Was sollten angehende Azubis mitbringen? 

Neben Interesse an Technik, etwas handwerklichem Geschick und körperlicher Belastbarkeit seien Mut, Neugier und Offenheit wichtig, sagt Anton. „Man muss sich trauen, Fragen zu stellen und mitzuwirken. Am Anfang kann ein großes Theater einschüchtern, aber wenn man neugierig bist, wächst man da schnell rein.“ Und ein bisschen Verrücktheit schade auch nicht: „Wer Partys und Shows mag, ist hier richtig. Und Konzerte oder Theater gratis sehen zu können – das ist auch ein Vorteil.“ Die Zukunftsoptionen sind in dem Beruf vielfältig. „Ich will später unbedingt wieder auf Konzerten und Festivals arbeiten“, sagt Anton. Für ihn ist die Ausbildung das perfekte Sprungbrett. 

Sein Fazit: Von der Ausbildung könne prinzipiell jede Person profitieren. „Sie bringt einem einfach viel fürs Leben. Man lernt, Probleme zu lösen, im Team zu arbeiten und mit Druck umzugehen. Und man sammelt viele unvergessliche Momente.“  
 
Text: Stephanie Drees